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Personalisierte Medizin

Personalisierte Medizin

Internationale Studien zeigen, dass die meisten der verschriebenen Medikamente bei weniger als 60 Prozent der Patienten wirken.1 In Deutschland sterben sogar jedes Jahr rund 58.000 Menschen an den Folgen unerwünschter Nebenwirkungen.2
 
Das Ziel der sog. „Personalisierten Medizin“ ist es, je nach genetischer Ausstattung eines Menschen, die passende Behandlung mit möglichst wenigen Nebenwirkungen zu finden.

Ein Meilenstein für die personalisierte Medizin war die Entschlüsselung des menschlichen Genoms vor ungefähr 10 Jahren, auch wenn das komplette genetische Netzwerk heute noch immer nicht vollständig aufgeklärt ist. Bereits geringfügige Veränderungen in den Genen (Mutationen) können ausschlaggebend sein, was mit Medikamenten im Körper geschieht, ob, wie lange und wie schnell sie wirken.

Im Bereich der Krebstherapie macht sich die personalisierte Medizin zunutze, dass genetische Veränderungen auch in den Tumorzellen auftreten. Die Tumorzellen können durch diese Mutationen empfindlicher gegenüber bestimmten Therapien werden. Mit speziellen Testverfahren werden diese Mutationen in Tumorzellen systematisch gesucht. In Abhängigkeit vom Testergebnis wird dann in einem zweiten Schritt die Behandlung festgelegt. Allen personalisierten Therapien ist demnach gemeinsam, dass sie aus der Kombination von einem Medikament und einem begleitendem diagnostischem Test bestehen.

Bereits heute erfolgreich im Einsatz ist das Konzept der personalisierten Therapie bei der Behandlung der häufigsten Form von Lungenkrebs, dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (Non-Small Cell Lung Cancer, NSCLC). Bei ca. 10 Prozent 4 der deutschen Patienten mit NSCLC weisen die Tumorzellen eine Veränderung (Mutation) des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors  (Epidermal Growth Factor Receptor, EGFR) auf. Die Tumoren von drei Viertel der Patienten mit einer solchen Veränderung sprechen auf die Therapie mit einem bestimmten chemischen Wirkstoff (EGFR-Tyrosinkinasehemmer, TKI) besonders gut an, während bei fehlender EGFR-Mutation die Patienten von diesem Wirkstoff nicht profitieren und eher mit einer Chemotherapie behandelt werden.3

Um geeignete Patienten für eine Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer identifizieren zu können, muss vor Therapiebeginn die EGFR-Mutation nachgewiesen werden. Mit Hilfe eines Mutationstests können Ärzte feststellen, ob eine Hemmung des EGF-Rezeptors die geeignete Behandlungsmethode ist. Dieser Mutationstest wird von zertifizierten
pathologischen Instituten durchgeführt und ist eine Kassenleistung. Nur bei positivem Testergebnis sind bestimmte Medikamente wirksam,die in klinischen Studien nachweisen konnten, dass sie effektiver sind als eine Chemotherapie hinsichtlich des Tumoransprechens, des progressionsfreien Überlebens sowie der Lebensqualität.3

Quellen:

1. Harvard Business Review, Oktober 2007

2. Institut für klinische Pharmakologie der Uni Hannover

3. Mok T et al. New Engl J Med 2009; 361: 947-57

4. Schütte et al. J Clin Oncol 30, 2012


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