IQWiG verwehrt Saxagliptin Zusatznutzen aus formalen Gründen

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat seine Berichte über die erneuten Nutzenbewertungen von Diabetesmedikamenten aus der Gliptin-Substanzklasse veröffentlicht. Grundlage für die erneute Nutzenbewertung waren die bereits 2013 eingereichten Daten der aktiv kontrollierten Studien* gegen Sulfonylharnstoff. Auf dieser Basis hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für Onglyza® (Saxagliptin) und Komboglyze® (Kombinationspräparat aus Saxagliptin und Metformin) einen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie anerkannt. Zudem belegen die zusätzlich im Rahmen der SAVOR-Studie erhobenen neuen Daten, dass kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei einer Therapie mit Saxagliptin von Patienten mit Typ 2 Diabetes besteht.

Entgegen der Bewertung des G-BA sieht das IQWiG erneut keinen Zusatznutzen für Onglyza® und Komboglyze® aus formal-methodischen Gründen: Das IQWiG setzt sich weder nochmals mit den bereits 2013 eingereichten Daten auseinander, noch akzeptiert es die Darstellung der von AstraZeneca neu eingereichten SAVOR-Studiendaten.

„Die Entscheidung des IQWiG zeigt erneut, dass die Methodik des Instituts eigenen Regeln folgt und nicht mit den Kriterien von internationalen Arzneimittelbehörden kompatibel ist. Zudem werden durch die Bewertungsmethodik chronische Erkrankungen benachteiligt“, so Dr. Julia Büchner, Vice President Pricing and Market Access bei AstraZeneca Deutschland. Aufgrund des bereits bestätigten Zusatznutzens und dem nun nachgewiesenen Sicherheitsprofil von Saxagliptin sei AstraZeneca optimistisch, dass der G-BA auch in seiner nun folgenden Bewertung den bereits zuerkannten Zusatznutzen für Onglyza® und Komboglyze® bestätigen wird.

In den ersten Nutzenbewertungen hatte der G-BA einen Zusatznutzen für Onglyza® und Komboglyze® anerkannt, da er die Vermeidung von Unterzuckerungen durch Saxagliptin als patientenrelevanten Vorteil betrachtet.1,2 Zu diesem Ergebnis kam das Gremium 2013, da sich der therapierelevante Nutzen für die Patienten verbesserte. Die Beschlussfassungen wurden damals vom G-BA ausschließlich aufgrund der, aus seiner Sicht, noch nicht ausreichend gesicherten Datenlage zur kardiovaskulären Sicherheit bis Juli 2016 befristet.

Mit der Darstellung der kardiovaskulären Endpunktstudie SAVOR hat AstraZeneca in den neu eingereichten Nutzendossiers die Befristungsgründe adressiert und ausgeräumt. Die SAVOR-Studie wurde nach den Vorgaben der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA durchgeführt und ist die größte, weltweit durchgeführte Langzeitstudie mit kardiovaskulärem Endpunkt bei Typ 2 Diabetes. In der Studie wurde Saxagliptin ergänzend zu einer blutzuckersenkenden Standardtherapie (mit oder ohne andere Diabetesmedikamente) gegeben und es zeigte sich für Saxagliptin kein erhöhtes Risiko für kardiovaskulär bedingten Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall.3

Für AstraZeneca ist es enttäuschend, dass das IQWiG diese wichtigen Studiendaten allein aus formalen, methodischen Gründen nicht in die Nutzenbewertung einbezogen hat. „Aus unserer Sicht bestätigt die SAVOR-Studie das gute Sicherheitsprofil von Saxagliptin“, äußerte sich Büchner nach Veröffentlichung der IQWiG-Bewertung. „Problematisch ist zudem, dass das IQWiG auch die 2013 bereits vom G-BA anerkannten Zulassungsstudien wiederholt ablehnt. Wir blicken dem nun folgenden Stellungnahmeprozess und der G-BA-Bewertung positiv entgegen. Letztendlich entscheidet der G-BA über den Zusatznutzen anhand einer breiteren Entscheidungsbasis und ist aufgefordert das Patientenwohl zu bedenken“, so Büchner weiter.

In Deutschland wird derzeit über ein Fünftel der Typ 2 Diabetiker – etwa 1,4 Millionen Menschen – mit Gliptinen behandelt. Für Ärzte und Patienten gelten Gliptine seit vielen Jahren als wirksame und sicher angewendete Therapieoption zur Behandlung von Typ 2 Diabetes. Saxagliptin stellt somit eine wichtige Säule in der Diabetesversorgung dar. Da immer mehr Menschen in Deutschland Typ 2 Diabetes entwickeln, sind effektive Diabetesmedikamente gefordert. Gerade bei einer stetig voranschreitenden Erkrankung ist zudem eine breite Therapievielfalt wichtig, um Patienten zu ermöglichen, ihren Blutzuckerzielwert zu erreichen.

Hintergründe zur Neueinreichung der Nutzendossiers durch AstraZeneca:

Die Erstbewertung von Saxagliptin erfolgte im Zuge der sogenannten Bestandsmarktbewertung der Substanzklasse der Gliptine, welche in der Zwischenzeit aufgehoben wurde. Dennoch musste AstraZeneca zum 01. Juli 2016 erneut für Saxagliptin und dem Kombinationspräparat mit Metformin jeweils ein vollständiges Dossier beim G-BA einreichen, um den Befristungsgründen der Beschlüsse zu begegnen. Die Befristungsgründe bezogen sich ausschließlich auf die Sicherheit der Präparate. Der G-BA hatte kritisiert, dass zu den aus seiner Sicht entscheidenden patientenrelevanten Endpunkten der kardiovaskulären Sicherheit zum Zeitpunkt der Erstbewertung noch keine ausreichenden Daten vorlagen. Der Nachweis der patientenrelevanten Vermeidung von Nebenwirkungen (Unterzuckerung) von Onglyza® und Komboglyze® wurde hingegen bereits mit der Erstbewertung erbracht und stand für den G-BA nicht in Frage.

 

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*Studie D1680C00001 (Saxagliptin + Metformin vs. Glipizid + Metformin) ist eine vom pharmazeutischen Unternehmen gesponserte randomisierte, aktiv kontrollierte, doppelblinde Zulassungsstudie. An der Studie haben erwachsene Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 teilgenommen, bei denen trotz einer Metformin-Monotherapie in einer Tagesdosis ≥ 1500 mg keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erreicht wurde (definiert als HbA1c-Wert über 6,5 %, eingeschlossen wurden Patienten mit einem HbA1c-Wert von 6,5 % bis ≤ 10 %.)

Studie D1680L00002 (Saxagliptin + Metformin vs. Glimepirid + Metformin) ist eine vom pharmazeutischen Unternehmen gesponserte, randomisierte, aktiv kontrollierte, doppelblinde klinische Studie. An der Studie haben ausschließlich ältere Patienten (≥ 65 Jahre alt) mit Diabetes mellitus Typ 2 teilgenommen, bei denen trotz einer Metformin-Monotherapie in jeglicher Tagesdosis keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erreicht wurde.

Über Gliptine (DPP-4-Inhibitoren)

Saxagliptin gehört zur Arzneimittelklasse der Inhibitoren des Enzyms DPP-4 (Dipeptidyl-Peptidase-4). DPP-4-Inhibitoren tragen zur Blutzuckersenkung bei, indem sie die Aktivität von Inkretin-Hormonen steigern. Dies führt dazu, dass mehr Insulin freigesetzt wird, wenn der Glukosespiegel erhöht ist und die Glukoseproduktion in der Leber verringert wird.4

Über Saxagliptin (Onglyza®)

Onglyza® ist bei erwachsenen Patienten ab 18 Jahren mit Typ 2 Diabetes mellitus zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle indiziert:4

Als Monotherapie

  • bei Patienten, die durch Diät und Bewegung allein nicht ausreichend kontrolliert sind und für die Metformin aufgrund von Kontraindikationen oder Unverträglichkeit ungeeignet ist.

Als orale Zweifachtherapie in Kombination mit

  • Metformin, wenn eine Metformin-Monotherapie, zusammen mit einer Diät und Bewegung, den Blutzucker nicht ausreichendkontrolliert.
  • einem Sulfonylharnstoff bei Patienten, für die die Anwendung von Metformin ungeeignet erscheint, wenn eine Sulfonylharnstoff-Monotherapie, zusammen mit einer Diät und Bewegung, den Blutzucker nicht ausreichend kontrolliert.
  • einem Thiazolidindion bei Patienten, für die die Anwendung eines Thiazolidindions geeignet erscheint, wenn eine Thiazolidindion-Monotherapie, zusammen mit einer Diät und Bewegung, den Blutzucker nicht ausreichend kontrolliert.

Als orale Dreifachtherapie in Kombination mit

  • Metformin und einem Sulfonylharnstoff, wenn diese Behandlung allein, mit einer Diät und Bewegung, den Blutzucker nicht ausreichend kontrolliert.

Als Kombinationstherapie mit Insulin (mit oder ohne Metformin), wenn diese Behandlung allein, zusammen mit einer Diät und Bewegung, den Blutzucker nicht ausreichend kontrolliert.

Über Saxagliptin + Metformin (Komboglyze®)

Komboglyze® ist als Ergänzung zu Diät und Bewegung angezeigt, um die Blutzuckerkontrolle bei erwachsenen Patienten im Alter von 18 Jahren und älter mit Typ 2 Diabetes mellitus zu verbessern, die mit der maximal vertraglichen Dosis von Metformin allein nicht ausreichend kontrolliert sind, oder die bereits mit der Kombination von Saxagliptin und Metformin als separate Tabletten behandelt werden.5

Komboglyze® ist auch in Kombination mit

  • Insulin (d. h. als Dreifach-Kombinationstherapie) als Ergänzung zu Diät und Bewegung angezeigt, um die Blutzuckerkontrolle bei erwachsenen Patienten im Alter von 18 Jahren und alter mit Typ 2 Diabetes mellitus zu verbessern, wenn Insulin und Metformin allein den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren.
  • einem Sulfonylharnstoff (d. h. als Dreifach-Kombinationstherapie) als Erganzung zu Diat und Bewegung angezeigt, um die Blutzuckerkontrolle bei erwachsenen Patienten im Alter von 18 Jahren und alter mit Typ 2 Diabetes mellitus zu verbessern, wenn die maximal vertragliche Dosis sowohl von Metformin als auch des Sulfonylharnstoffs den Blutzucker nicht ausreichend kontrolliert.

Über Typ 2 Diabetes

In Deutschland wird der Anteil der Erwachsenen mit bekanntem Typ 2 Diabetes derzeit auf 7% bis 8% geschätzt. Anhand neuer epidemiologischer Daten eines deutschlandweiten Forscherbundes und des Statistischen Bundesamtes wird erwartet, dass im Jahr 2030 bereits 3,9 Millionen Personen im Alter zwischen 55 bis 74 Jahren an Typ 2 Diabetes erkrankt sein werden. Das bedeutet allein in dieser Altersklasse einen Anstieg um mehr als 1,5 Millionen Menschen gegenüber heute.6 Während die Prävalenz der Erkrankung kontinuierlich ansteigt7, erreichen weniger als die Hälfte der Typ 2 Diabetiker ihren Blutzuckerzielwert5,8, so dass der Bedarf an effektiven Behandlungsoptionen weiterhin hoch ist.

Über AstraZeneca

Die AstraZeneca GmbH in Wedel/Schleswig-Holstein ist die deutsche Tochtergesellschaft des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens AstraZeneca PLC, mit Hauptsitz in Cambridge. AstraZeneca gehört mit einem Konzernumsatz von rund 25 Milliarden USD (2015) weltweit zu den führenden Unternehmen der forschenden Arzneimittelindustrie. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt innovative Arzneimittel zur Behandlung von Krankheiten im Bereich Herz-Kreislauf und Stoffwechsel, Onkologie, Atemwegserkrankungen sowie für die Behandlung von Infektions- und Autoimmunkrankheiten.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage www.astrazeneca.de.

 

 

Ihr Ansprechpartner:
 

 

 

Katrin Meyer zu Borgsen, PR Managerin
AstraZeneca GmbH
Tinsdaler Weg 183
22880 Wedel
Tel.: 04103 / 708 3544
E-Mail: katrin.meyerzuborgsen@astrazeneca.com

 


Quellen:

  1. G-BA-Beschluss zu Saxagliptin/Metformin vom 02.05.2013, BAnz AT 05.06.2013 B2
  2. G-BA-Beschluss zu Saxagliptin vom 01. Oktober 2013, BAnz AT 12.11.2013 B2
  3. Scirica BM et al. N Engl J Med 2013; 369:1317-1326.
  4. Fachinformation Onglyza®. Stand: April 2016.
  5. Fachinformation Komboglyze®. Stand: April 2016.
  6. Brinks R et al. Eur J Epidemiol 2012; 27(10):791-797.
  7. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2015, Hrsg.: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.
  8. Gallwitz B et al. Diabetologie und Stoffwechsel 2012; 7(6):434-441.