Trotz AMNOG-Studie DapaZu: G-BA sieht wieder keinen Zusatznutzen für Dapagliflozin

Trotz AMNOG-Studie DapaZu: G-BA sieht wieder keinen Zusatznutzen für Dapagliflozin

Wedel, 22. Juni 2018. Den Diabetes-Präparaten Dapagliflozin (Forxiga®) und Dapagliflozin/Metformin (Xigduo®) bleibt die Anerkennung eines Zusatznutzens durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nach wie vor verwehrt. Dabei hatte AstraZeneca eigens für die erneute Nutzenbewertung die Phase-IV-Studie DapaZu aufgesetzt, die jedoch vom G-BA aus methodischen Gründen abgelehnt wurde. Auch die 4-Jahres-Langzeitdaten der Zulassungsstudie bezog der G-BA nicht in die Bewertung ein. „Wir sind von der Entscheidung des G-BA außerordentlich enttäuscht“, sagt Dr. Julia Büchner, Vice President Pricing & Market Access von AstraZeneca Deutschland. „Mit der DapaZu-Studie hatten wir eine Vorreiterrolle eingenommen. Die Studie wurde von uns nach den Vorgaben des G-BA geplant und durchgeführt, um auf dessen Kritikpunkte bei der Erstbewertung von Dapagliflozin einzugehen. Dass der G-BA die DapaZu-Studiendaten nun nicht berücksichtigt, ist für uns nicht nachvollziehbar.“ AstraZeneca fokussiert sich nun auf die Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband, um trotz des erneut negativen Ergebnisses eine angemessene Lösung zu finden, zumal bereits im zweiten Halbjahr dieses Jahres die Daten der kardiovaskulären Outcome-Studie DECLARE-TIMI 58 zu Dapagliflozin veröffentlicht werden sollen.

Der G-BA begründet seine Ablehnung der DapaZu-Studie damit, dass die Ergebnisse zu Hypoglykämien aufgrund der Titration des Sulfonylharnstoffs Glimepirid im Vergleichsarm und der daraus resultierenden nicht vergleichbaren HbA1c-Senkung in den Behandlungsarmen im Zeitverlauf der Studie nicht valide interpretierbar seien.

AstraZeneca hatte diese Kritikpunkte im Stellungnahmeverfahren sowie in der mündlichen Anhörung adressiert und anhand umfangreicher Zusatzanalysen aus Unternehmenssicht ausgeräumt. „Diese Analysen zeigen eindeutig, dass Hypoglykämien unter Glimepirid unabhängig von der Dosierung und bereits bei niedrigen Dosierungen auftreten“, so Dr. Kai Richter, Vice President Medical von AstraZeneca Deutschland. Glimepirid-Dosierungen von 6 mg / Tag, die der G-BA kritisiert, seien zudem nicht mit erhöhten Nebenwirkungen assoziiert und werden ausdrücklich als zugelassene „Maximaldosis“ in der Fachinformation aufgeführt. Die Glimepirid-Titration im Rahmen der DapaZu Studie ist zulassungskonform, was die Bewertung des G-BA nicht nachvollziehbar macht.

„Die DapaZu-Daten wie auch die Daten unserer Zulassungsstudie belegen: Dapagliflozin ist dem Sulfonylharnstoff Glimepirid in puncto Hypoglykämievermeidung und Vermeidung von Gewichtszunahme deutlich überlegen“, sagt Richter. „Wir sehen die erneute negative Beurteilung des G-BA als Rückschlag für unser Engagement im AMNOG-Prozess und als negatives Signal für den Forschungsstandort Deutschland.“

AstraZeneca investiert mit der derzeit laufenden kardiovaskulären Outcome-Studie DECLARE-TIMI 58 weiter in die Entwicklung von Dapagliflozin. Diese Studie untersucht erstmals in einem breiten Patientenkollektiv von Patienten mit Typ-2 Diabetes mellitus den Effekt des SGLT-2 Hemmers auf die kardiovaskuläre Mortalität sowie das Auftreten von Myokardinfarkt, Schlaganfällen, und Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz. Die Studie umfasst über 17.000 Patienten mit multiplen Risikofaktoren, sowie Patienten mit manifester kardiovaskulärer Vorerkrankung. Erste Ergebnisse werden bereits im zweiten Halbjahr 2018 erwartet.

AstraZeneca wird nun in die Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband gehen. „Auch im Hinblick auf die baldige Veröffentlichung der DECLARE-Daten sind wir daran interessiert, mit dem GKV-SV zu einer Lösung zu kommen – auch wenn die Rahmenbedingungen durch den G-BA-Beschluss eine große Herausforderung darstellen“, sagt Büchner. „Wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, wird jedes zweite neue Diabetespräparat aufgrund einer negativen AMNOG-Bewertung wieder vom Markt genommen.1,2 Im Interesse der Patienten mit Typ-2 Diabetes mellitus in Deutschland sollten jedoch beide Seiten ein Interesse an einer Einigung haben.“ Seit der Markteinführung von Dapagliflozin vor 5 Jahren wurden bereits über 500.000 Patienten mit Typ 2 Diabetes mit dem SGLT-2 Hemmer behandelt.3 „Dapagliflozin ist eine wichtige Säule in der Versorgung von Menschen mit Typ 2 Diabetes und stellt für Ärzte und Patienten eine wirksame und gut verträgliche Therapieoption dar, insbesondere auch mit Blick auf die im Rahmen der NVL genannten Therapieziele“, so Richter.

Über Dapagliflozin

Dapagliflozin ist für die einmal tägliche Einnahme zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Erwachsenen mit Typ 2 Diabetes indiziert:4

  • Als Monotherapie, wenn Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren bei Patienten, bei denen die Anwendung von Metformin aufgrund einer Unverträglichkeit als ungeeignet erachtet wird.
  • Als Add-on-Kombinationstherapie, in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln einschließlich Insulin, wenn diese den Blutzucker, zusammen mit einer Diät und Bewegung, nicht ausreichend kontrollieren.

Dapagliflozin war der erste zugelassene Vertreter aus der Klasse der selektiven und reversiblen Inhibitoren des Natrium-Glukose-Cotransporters 2 (Sodium-Glucose-Cotransporter-2, SGLT-2).4 Der Wirkmechanismus von Dapagliflozin ist unabhängig von der Insulinausschüttung und Insulinwirkung im Körper. Dapagliflozin hemmt in der Niere selektiv SGLT-2. Hierdurch wird überschüssige Glukose mit dem Urin ausgeschieden und es kommt zu einer Reduktion der Blutzuckerwerte. In klinischen Studien führte Dapagliflozin zudem zu einer Gewichtsabnahme# und einer Senkung des Blutdrucks#.4

Zur Bewertung der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit von Dapagliflozin wurden 14 doppelblinde, randomisierte, kontrollierte klinische Studien mit 7.056 Personen mit Typ 2 Diabetes durchgeführt; 4.737 Personen wurden in diesen Studien mit Dapagliflozin behandelt.4

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat durch die Zulassung von Dapagliflozin im Januar 2014 ebenfalls das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis für die Substanz u.a. auf Basis der zusätzlich vorgelegten Evidenz (30-Monats-Sicherheitsanalyse, Vier-Jahresdaten im Anwendungsgebiet Add-on Metformin) bestätigt.4

Das Fixkombinationspräparat Dapagliflozin und Metformin ist seit Januar 2014 in der EU zugelassen.5 Grundlage für die EU-Zulassung waren fünf Placebo-kontrollierte klinische Studien mit 1.146 Patienten mit Typ 2 Diabetes sowie eine aktiv kontrollierte Studie mit 400 Patienten.

Über AstraZeneca
Die AstraZeneca GmbH ist die deutsche Tochtergesellschaft des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens AstraZeneca PLC. AstraZeneca gehört mit einem Konzernumsatz von rund 22,5 Milliarden USD (2017) weltweit zu den führenden Unternehmen der forschenden Arzneimittelindustrie. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt innovative Arzneimittel zur Behandlung von Krankheiten im Bereich Herz-Kreislauf und Stoffwechsel, Onkologie sowie Atemwegserkrankungen. Neben diesen Kerntherapiegebieten forscht Astrazeneca ebenfalls in den Bereichen Autoimmunerkrankungen, Neurowissenschaften und Infektionen. Weitere Informationen finden Sie auf www.astrazeneca.de.

Ihre Ansprechpartnerin:
Julia Rasche
Pressesprecherin
AstraZeneca GmbH
Tinsdaler Weg 183
22880 Wedel
Tel.: 04103 / 708 3980
E-Mail: julia.rasche@astrazeneca.com

#Dapagliflozin ist nicht indiziert für die Behandlung von Übergewicht und Hypertonie. Gewichtsreduktion und Blutdrucksenkung sind Zusatzeffekte und waren sekundäre Endpunkte in klinischen Studien.

 


Referenzen

  1. Gallwitz B, Müller-Wieland D, Dtsch Arztebl 2017; 114(20): [24]; DOI: 10.3238/PersDia.2017.05.19.06
  2. Storm A (Hrsg.), AMNOG-Report 2017. Nutzenbewertung von Arzneimitteln in Deutschland. in: Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band 17). Verfügbar unter: https://www.dak.de/dak/download/amnog-report-2017-1891614.pdf
  3. IQVIA LRx 04/2018
  4. Fachinformation Forxiga®. Stand Oktober 2017
  5. Fachinformation Xigduo®. Stand November 2017

DE-15302/18