IQWiG kritisiert AMNOG-Studie DapaZu und lehnt Langzeitdaten ab

Diabetes Typ 2: Nutzenbewertung Dapagliflozin und Dapagliflozin/Metformin

Wedel, 03. April 2018 – In der erneuten Nutzenbewertung von Dapagliflozin (Forxiga®) und Dapagliflozin/Metformin (Xigduo®) sieht das IQWiG für die AstraZeneca-Präparate erneut keinen Zusatznutzen. Aus den Ergebnissen der eigens für die Nutzenbewertung aufgesetzten DapaZu-Studie leitete das Institut keinen Zusatznutzen ab. Dabei war die Phase-IV-Studie nach den Vorgaben des G-BA von AstraZeneca geplant und durchgeführt worden, um die Kritikpunkte an der im Rahmen der Erstbewertung nicht akzeptierten Zulassungsstudie von Dapagliflozin zu berücksichtigen – ein Novum in der Nutzenbewertung von Antidiabetika. „Wir bleiben optimistisch, dass der G-BA in seiner Abschlussbewertung zum Zusatznutzen von Dapagliflozin zu einem positiven Ergebnis gelangen wird“, sagt Dr. Julia Büchner, Vice President Pricing & Market Access von AstraZeneca Deutschland.

Für die erneute Nutzenbewertung von Dapagliflozin und Dapagliflozin/Metformin hatte AstraZeneca zwei Nutzendossiers mit neuen wissenschaftlichen Daten aus der DapaZu-Studie sowie mit Vier-Jahres-Langzeitdaten aus der Zulassungsstudie von Dapagliflozin eingereicht. „Es ist das erste Mal, dass ein Pharmaunternehmen für den AMNOG-Prozess Daten einer Studie vorgelegt hat, die eigens für die Nutzenbewertung eines Diabetesmedikaments in Deutschland geplant und durchgeführt wurde“, so Büchner.

Bei der Planung des DapaZu-Studiendesigns hatte AstraZeneca die Ergebnisse aus Beratungsgesprächen mit dem G-BA berücksichtigt, um dessen Kritikpunkte an der im Rahmen der Erstbewertung nicht akzeptierten Zulassungsstudie von Dapagliflozin zu berücksichtigen. Somit wurde die DapaZu-Studie entsprechend den Anforderungen an die Methodik des G-BA für eine Studie zur Nutzenbewertung durchgeführt. Dennoch sieht das IQWiG in seinem aktuellen Bericht zur Nutzenbewertung keinen Zusatznutzen für Dapagliflozin und Dapagliflozin/Metformin, da nach Ansicht des Instituts die Ergebnisse zu Hypoglykämien aufgrund der nicht vergleichbaren HbA1c-Senkung in den Behandlungsarmen im Zeitverlauf der Studie nicht valide interpretierbar seien.

Versorgungsnahe DapaZu-Studie zeigt Zusatznutzen auf

„Aus unserer Sicht bestätigen die DapaZu-Daten den deutlichen Hypoglykämie- und Gewichtsvorteil von Dapagliflozin gegenüber Sulfonylharnstoff, der auch bereits in der Zulassungsstudie gezeigt wurde“, äußerte sich Dr. Kai Richter, Vice President Medical von AstraZeneca Deutschland nach Veröffentlichung der IQWiG-Bewertung. Nicht nachvollziehbar sei zudem, dass das IQWiG auch die im Rahmen der Erstbewertung von Dapagliflozin dargestellten Daten der Zulassungsstudie, für die nun Langzeitdaten über vier Jahre eingereicht wurden, wiederholt ablehnt.  „Wir sehen hier eine Parallele zu anderen Nutzenbewertungen wie der von Empagliflozin“, erläutert Büchner. „Bei der Erstbewertung dieses SGLT-2 Hemmers hatte das IQWiG die Zulassungsstudie aufgrund methodischer Kritikpunkte als nicht bewertbar eingeschätzt, in der erneuten Nutzenbewertung dann aber akzeptiert und basierend hierauf einen Zusatznutzen abgeleitet.“ Mit dem Vorliegen der Langzeitdaten zu Dapagliflozin und den neuen Erkenntnissen aus der DapaZu-Studie liegen umfassende Daten für einen Zusatznutzen von Dapagliflozin gegenüber Sulfonylharnstoff vor. 

„Die DapaZu-Studie erreichte ihr Studienziel, indem die Nicht-Unterlegenheit bei der Blutzuckersenkung zwischen Dapagliflozin und Sulfonylharnstoff gezeigt wurde“, erklärt Richter. „Dabei war das Risiko für wiederkehrende Hypoglykämien unter Dapagliflozin deutlich verringert im Vergleich zum Sulfonylharnstoff, was in hohem Maße patientenrelevant ist.“ Für AstraZeneca sei die Bewertung der DapaZu-Studie durch das IQWiG in keiner Weise nachvollziehbar. 

Aus den Daten der DapaZu-Studie geht hervor, dass das Risiko für Hypoglykämien unter einer Therapie mit Sulfonylharnstoff im Vergleich zu Dapagliflozin deutlich erhöht war. Bei Patienten im Sulfonylharnstoff-Behandlungsarm traten Hypoglykämien nicht nur insgesamt häufiger, sondern sogar mehrfach pro Patient auf.

„Wir fokussieren uns jetzt auf den Stellungnahmeprozess und die dann folgende G-BA-Bewertung“, so Büchner. „Letztendlich entscheidet der G-BA über den Zusatznutzen anhand einer breiteren Entscheidungsbasis und ist aufgefordert, das Patientenwohl zu bedenken.“

Typ 2 Diabetes auf der politischen Agenda

Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Menschen in Deutschland Typ 2 Diabetes entwickeln, betrachtet auch die neue Bundesregierung das Thema Diabetes als politische Priorität und hat dies auf ihre Agenda für die neue Legislaturperiode gesetzt. Über sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Typ 2 Diabetes, und jedes Jahr kommen etwa 500.000 Neuerkrankte hinzu.1 Dies verdeutlicht, vor welchen Herausforderungen unsere Gesellschaft in Bezug auf Typ 2 Diabetes steht – einem Therapiegebiet, in dem derzeit etwa jedes zweite neue Diabetespräparat aufgrund einer negativen AMNOG-Bewertung wieder vom Markt genommen wird.2,3

Die zunehmende Anzahl an Patienten erfordert bei dieser stetig voranschreitenden Erkrankung jedoch ein vielfältiges Therapiespektrum, um Patienten gemäß Empfehlungen der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) zu ermöglichen, ihren individuellen Blutzuckerzielwert bei gleichzeitiger Hypoglykämievermeidung und Gewichtsreduktion zu erreichen.4

In der Studie DapaZu war es entsprechend den Leitlinienempfehlungen vorgesehen, dass individuelle Therapieziele zwischen Arzt und Patient festgelegt wurden. Für die Dosiseskalation des Sulfonylharnstoffs Glimepirid war kein striktes Dosierungsziel vorgegeben, sie konnte nach Maßgabe des Arztes unter Berücksichtigung patientenindividueller Faktoren durchgeführt werden.5 Beim Design der Studie DapaZu wurden somit die Kritikpunkte des G-BA aus der Erstbewertung adressiert.

SGLT-2 Hemmer stellen wichtige Therapieoption für Menschen mit Typ 2 Diabetes dar

In Deutschland werden derzeit rund 450.000 der Patienten mit Typ 2 Diabetes mit einem SGLT-2 Inhibitor behandelt, davon etwa 230.000 mit Dapagliflozin.6 „Dapagliflozin ist seit mehr als fünf Jahren am Markt verfügbar und gilt für Ärzte und Patienten als wirksame und gut verträgliche Therapieoption zur Behandlung von Typ 2 Diabetes. Seit der Markteinführung wurden rund 475.000 Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus mit Dapagliflozin behandelt. Dapagliflozin stellt somit eine wichtige Säule in der Diabetesversorgung dar, insbesondere auch mit Blick auf die im Rahmen der NVL genannten Therapieziele“, so Richter. 

Mit der eigens für das AMNOG aufgesetzten Studie DapaZu und der derzeit laufenden kardiovaskulären Outcome-Studie DECLARE investiert AstraZeneca weiterhin in den SGLT-2 Hemmer Dapagliflozin. Die Studie DECLARE untersucht bei über 17.000 Patienten den Effekt von Dapagliflozin auf die kardiovaskuläre Mortalität sowie das Auftreten von Myokardinfarkt, Schlaganfällen, und Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz in einem breiten Patientenkollektiv (Patienten mit multiplen Risikofaktoren, sowie Patienten mit manifester kardiovaskulärer Vorerkrankung). Erste Ergebnisse werden im zweiten Halbjahr 2018 erwartet.

Über Dapagliflozin

Dapagliflozin ist für die einmal tägliche Einnahme zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Erwachsenen mit Typ 2 Diabetes indiziert:7

  • Als Monotherapie, wenn Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren bei Patienten, bei denen die Anwendung von Metformin aufgrund einer Unverträglichkeit als ungeeignet erachtet wird.
  • Als Add-on-Kombinationstherapie, in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln einschließlich Insulin, wenn diese den Blutzucker, zusammen mit einer Diät und Bewegung, nicht ausreichend kontrollieren.

Dapagliflozin war der erste zugelassene Vertreter aus der Klasse der selektiven und reversiblen Inhibitoren des Natrium-Glukose-Cotransporters 2 (Sodium-Glucose-Cotransporter-2, SGLT-2).7 Der Wirkmechanismus von Dapagliflozin ist unabhängig von der Insulinausschüttung und Insulinwirkung im Körper. Dapagliflozin hemmt in der Niere selektiv SGLT-2. Hierdurch wird überschüssige Glukose mit dem Urin ausgeschieden und es kommt zu einer Reduktion der Blutzuckerwerte. In klinischen Studien führte Dapagliflozin zudem zu einer Gewichtsabnahme# und einer Senkung des Blutdrucks#.7

Zur Bewertung der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit von Dapagliflozin wurden 13 doppelblinde, randomisierte, kontrollierte klinische Studien mit 6.362 Personen mit Typ 2 Diabetes durchgeführt; 4.273 Personen wurden in diesen Studien mit Dapagliflozin behandelt.7

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat durch die Zulassung von Dapagliflozin im Januar 2014 ebenfalls das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis für die Substanz u.a. auf Basis der zusätzlich vorgelegten Evidenz (30-Monats-Sicherheitsanalyse, Vier-Jahresdaten im Anwendungsgebiet Add-on Metformin) bestätigt.7

Das Fixkombinationspräparat Dapagliflozin und Metformin ist seit Januar 2014 in der EU zugelassen.8 Grundlage für die EU-Zulassung waren fünf Placebo-kontrollierte klinische Studien mit 1.146 Patienten mit Typ 2 Diabetes sowie eine aktiv kontrollierte Studie mit 400 Patienten. 

Über AstraZeneca 

Die AstraZeneca GmbH ist die deutsche Tochtergesellschaft des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens AstraZeneca PLC. AstraZeneca gehört mit einem Konzernumsatz von rund 22,5 Milliarden USD (2017) weltweit zu den führenden Unternehmen der forschenden Arzneimittelindustrie. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt innovative Arzneimittel zur Behandlung von Krankheiten im Bereich Herz-Kreislauf und Stoffwechsel, Onkologie sowie Atemwegserkrankungen. Neben diesen Kerntherapiegebieten forscht Astrazeneca ebenfalls in den Bereichen Autoimmunerkrankungen, Neurowissenschaften und Infektionen. Weitere Informationen finden Sie auf www.astrazeneca.de

Ihre Ansprechpartnerin: 

Julia Rasche
Pressesprecherin
AstraZeneca GmbH
Tinsdaler Weg 183
22880 Wedel
Tel.: 04103 / 708 3980
E-Mail: julia.rasche@astrazeneca.com

 

#Dapagliflozin ist nicht indiziert für die Behandlung von Übergewicht und Hypertonie. Gewichtsreduktion und Blutdrucksenkung sind Zusatzeffekte und waren sekundäre Endpunkte in klinischen Studien.


Referenzen

  1. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe (Hrsg.): Gesundheitsbericht Diabetes 2018, verfügbar unter https://www.diabetesde.org/system/files/documents/gesundheitsbericht_2018.pdf
  2. Gallwitz B, Müller-Wieland D, Dtsch Arztebl 2017; 114(20): [24]; DOI: 10.3238/PersDia.2017.05.19.06
  3. Storm A (Hrsg.), AMNOG-Report 2017. Nutzenbewertung von Arzneimitteln in Deutschland. in: Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band 17). Verfügbar unter: https://www.dak.de/dak/download/amnog-report-2017-1891614.pdf
  4. Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Therapie des Typ-2-Diabetes, 1. Auflage 2013, verfügbar unter https://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/diabetes-mellitus/dm-therapie-1aufl-vers4-lang.pdf
  5. Präsentation beim DDG-Kongress 2017 #XX-OR. Safety and Efficacy of Dapagliflozin and Dapagliflozin + Saxagliptin versus Sulfonylurea as Add-on to Metformin in Patients with Type 2 Diabetes and Inadequate Glycemic Control on Metformin Monotherapy: Results from the DapaZu study
  6. IQVIA LRx 01/2018.
  7. Fachinformation Forxiga®. Stand Oktober 2017
  8. Fachinformation Xigduo®. Stand November 2017

DE-14168/18