forsa-Umfrage: Mehr Aufklärung könnte Früherkennung verbessern

Chronische Niereninsuffizienz

Wedel, 02.11.2021. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 10 % der Bevölkerung unter einer chronischen Niereninsuffizienz.1 Mehr als die Hälfte ist nicht diagnostiziert.1,2 Wird die Erkrankung erst erkannt, wenn Symptome auftreten, sind die Nieren meist bereits stark geschädigt.3,4 Vorsorgeuntersuchungen in der Hausarztpraxis könnten bei der Früherkennung helfen. Sie werden jedoch nur von 54 % der erwachsenen Deutschen einmal jährlich wahrgenommen, wie jetzt eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag von AstraZeneca ergab. Darüber hinaus ist in der deutschen Regelversorgung bislang kein routinemäßiges Screening auf Nierenfunktionsstörungen vorgesehen.

Die chronische Niereninsuffizienz bezeichnet eine fortschreitende Schädigung der Nierenstruktur, die zu einem unumkehrbaren Verlust der Nierenfunktion führt.5,6,7 Die Erkrankung verläuft schleichend und anfangs häufig symptomlos, weshalb sie oft erst diagnostiziert wird, wenn die Schädigung der Nieren bereits weit fortgeschritten ist.3,4 Wird eine chronische Niereninsuffizienz hingegen frühzeitig erkannt, kann das Fortschreiten der Erkrankung oft verlangsamt oder sogar gestoppt werden.8,9 So könnte in vielen Fällen verhindert werden, dass es zu einer schweren Schädigung der Nieren, einem damit einhergehenden erhöhten Risiko, an Herzkreislauferkrankungen zu versterben, oder gar zu einem lebensgefährlichen totalen Nierenversagen (terminale Niereninsuffizienz) kommt.4
Allerdings ist ein routinemäßiges Screening der Nierenfunktion derzeit nicht Teil der deutschen Regelversorgung. Wie eine repräsentative Umfrage unter erwachsenen Deutschen jetzt zeigt, nimmt zudem nur etwa die Hälfte der Menschen jährlich eine gesundheitliche Vorsorgeuntersuchung in der Hausarztpraxis wahr. Bei den 30- bis 44-Jährigen ist die Bereitschaft besonders gering: Zwei Drittel gehen seltener als einmal im Jahr zu Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt, 24 % sogar nie.

Wissensstand niedrig – Informationsbedürfnis hoch
Ein Bewusstsein für den Nutzen von Vorsorgeuntersuchungen für viele Erkrankungen – auch abseits der Krebsvorsorge – ist in der Bevölkerung noch nicht fest verankert. Das liegt möglicherweise am Wissensstand zu den Erkrankungen selbst und zeigt sich auch beim Blick auf das Thema Nierengesundheit: Nur rund ein Drittel der Befragten (34 %) hat eine genaue Vorstellung, worum es sich bei der Erkrankung handelt. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar nur 21 %. Daher überrascht es kaum, dass vielen die Risikofaktoren nicht bekannt sind: Nicht einmal die Hälfte der Befragten identifiziert einen der Hauptrisikofaktoren für eine chronische Niereninsuffizienz: So glauben 51 % nicht, dass Bluthochdruck ein Risikofaktor ist. Knapp zwei Drittel (64 %) fühlen sich nicht ausreichend über die chronische Niereninsuffizienz informiert, doch etwa die Hälfte gibt an, gerne mehr darüber erfahren zu wollen. Besonders groß ist der Wunsch nach Information bei Menschen unter 30: Hier wollen vier von fünf Befragten gerne mehr über die chronische Niereninsuffizienz erfahren.

Risikofaktoren nicht nur bei älteren Menschen weit verbreitet
Dabei ist mehr Bewusstsein für diese Erkrankung und ihre Risikofaktoren wichtig, denn Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und andere kardiovaskuläre Vorerkrankungen sind Hauptursachen der chronischen Niereninsuffizienz.3,4,8 Aber auch Faktoren wie ein höheres Alter, Adipositas oder die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln erhöhen das Risiko – und sind in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet.3,4,8
Das bestätigt auch die aktuelle Umfrage: 48 % der Befragten geben an, regelmäßig Medikamente einzunehmen, 37 % haben Übergewicht und 29 % leiden an Bluthochdruck. Besonders weit verbreitet sind die Risikofaktoren erwartungsgemäß bei über 60-Jährigen.

Die Studie zeigte aber auch: Faktoren, die langfristig die Entstehung einer chronischen Niereninsuffizienz begünstigen können, sind bei jüngeren Menschen besonders häufig. Stress, Rauchen, ungesunde Ernährung und wenig Bewegung können langfristig zu Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes mellitus und damit auch zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen. Etwa die Hälfte der 30- bis 59-Jährigen leidet häufig unter Stress und etwa jede:r Dritte gibt an, sich unausgewogen zu ernähren oder im Alltag zu wenig Bewegung zu haben. Mögliche Folgen zeichnen sich ebenfalls bereits ab: Bei 45- bis 59-Jährigen ist der Anteil der Menschen mit Übergewicht mit 45 % unter allen befragten Altersgruppen am höchsten.

Untersuchung der Nierenfunktion nicht Teil der Regelversorgung
Ein Screening der Nierenfunktion wird derzeit nur bei bestimmten Vorerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus Typ 2 oder Herzinsuffizienz) ein- bis zweimal jährlich von der Krankenkasse erstattet. Da die chronische Niereninsuffizienz aber lange symptomlos bleibt und ein Behandlungserfolg maßgeblich von einer Früherkennung abhängt ist ein jährlicher Check der Nierenfunktion auch ohne bekannte Vorerkrankungen eine sinnvolle Investition. Das sehen auch die Befragten so: 74 % sind bereit, einen Betrag von bis zu 50 Euro selbst zu zahlen, um regelmäßig die Funktion ihrer Nieren prüfen zu lassen. 23 % sogar jedes Jahr. Unter kidneyquiz.theisn.org lässt sich das eigene Risiko für eine Nierenerkrankung ganz einfach selbst testen. Aufschluss, ob man an einer Niereninsuffizienz leidet, gibt eine Blut- und Urinuntersuchung in der Hausarztpraxis.

„Solange die Überprüfung der Nierenfunktion nicht regelhaft erstattet wird, könnten sich verstärkte Anstrengungen in eine Aufklärung zum Thema chronische Nierenerkrankung bezahlt machen“, ist sich Dr. Klaus Hinterding, Vice President Medical & Regulatory von AstraZeneca Deutschland, sicher. „In der Umfrage haben wir gesehen: Menschen, die nicht wissen, was eine chronische Nierenerkrankung ist, sind seltener bereit den Check ihrer Nierenfunktion selbst zu zahlen als Menschen, die die Erkrankung schon kennen. Mit der Initiative ‚Damit Dir nichts an die Nieren geht‘ wollen wir gemeinsam mit dem Bundesverband Niere e. V. zu einem besseren Verständnis für die chronische Nierenerkrankung beitragen und Menschen dazu ermutigen ihren Arzt auf das Thema Nierengesundheit anzusprechen. So können wir hoffentlich langfristig helfen, die hohe Dunkelziffer bei dieser Krankheit zu verringern.“

 

Pressekontakt:
Anika Bittorf, Manager PR & Comunications, AstraZeneca GmbH
Tel.: +49 (0)152 0765 8143, anika.bittorf@astrazeneca.com

 

Weitere Informationen

Über die Umfrage
Im Auftrag der AstraZeneca GmbH hat forsa Politik- und Sozialforschung GmbH eine repräsentative Befragung unter Bundesbürgern ab 18 Jahren zum Thema „Chronische Niereninsuffizienz“ durchgeführt. Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 1.011 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Bundesbürger:innen ab 18 Jahren zum Thema „Chronische Niereninsuffizienz“ befragt. Die Erhebung wurde vom 23. bis 30. August 2021 mithilfe des repräsentativen Online-Befragungspanels forsa.omninet durchgeführt. Die ermittelten Ergebnisse können lediglich mit den bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/-3 Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der erwachsenen Bevölkerung ab 18 Jahren übertragen werden.

Über die chronische Niereninsuffizienz
Die chronische Niereninsuffizienz ist eine ernste, progressive Erkrankung, die durch eine verminderte Nierenfunktion definiert ist (nachgewiesen durch eine verringerte geschätzte glomeruläre Filtrationsrate [eGFR] oder Marker für Nierenschäden [Albumin-Kreatinin-Ratio/ACR] oder beides über mindestens drei Monate).5 Die häufigsten Ursachen für eine chronische Niereninsuffizienz sind Diabetes, Bluthochdruck und Glomerulonephritis.3,4,8 Die Erkrankung ist mit einer signifikanten Morbidität und Mortalität für Patient:innen und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinsuffizienz und vorzeitigem Tod assoziiert.4 In ihrer schwersten Form, dem so genannten Nierenversagen, sind die Nierenschädigung und die Verschlechterung der Nierenfunktion so weit fortgeschritten, dass eine Dialyse oder Nierentransplantation erforderlich ist.10 Die Mehrheit der Patient:innen mit chronischer Niereninsuffizienz stirbt aufgrund kardiovaskulärer Ursachen, bevor ein Nierenversagen eintritt.11 Derzeit leben in der EU etwa 47 Millionen Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz.1 In Deutschland sind etwa 9 Millionen Menschen betroffen.1

Über AstraZeneca im Bereich CVRM
Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen (Cardiovascular, Renal and Metabolism CVRM) bilden zusammen einen der zentralen Therapiebereiche von AstraZeneca. Angetrieben von der Wissenschaft, um die Zusammenhänge zwischen Herz, Nieren und Bauchspeicheldrüse besser zu verstehen, investiert AstraZeneca in ein Portfolio von Medikamenten zum Schutz der Organe und zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse durch Verlangsamung des Krankheitsverlaufs und Verringerung der Risiken unter Einbezug von Komorbiditäten. Das Ziel des Unternehmens ist es, den Verlauf von CVRM-Krankheiten zu modifizieren oder zu stoppen und Organe möglicherweise zu regenerieren und ihre Funktion wiederherzustellen, indem AstraZeneca weiterhin transformative Wissenschaften betreibt, die die Behandlungspraktiken und die kardiovaskuläre Gesundheit von Millionen von Patient:innen weltweit verbessern.

AstraZeneca
Die AstraZeneca GmbH ist die deutsche Tochtergesellschaft des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens AstraZeneca PLC. AstraZeneca (LSE/STO/Nasdaq: AZN) ist ein globales, wissenschaftsorientierte biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von verschreibungspflichtigen Medikamenten in den Bereichen Onkologie, seltene Krankheiten und Biopharmazeutika, einschließlich Herz-Kreislauf, Nieren und Stoffwechsel sowie Atemwege und Immunologie, konzentriert. AstraZeneca mit Sitz in Cambridge, Großbritannien, ist in über 100 Ländern tätig. Die innovativen Medikamente des Unternehmenswerden von Millionen von Patient:innen weltweit eingesetzt. Weitere Informationen auf astrazeneca.de.


Referenzen

  1. Bikbov B et al. Global, regional, and national burden of chronic kidney disease, 1990– 2017: A systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. The Lancet 2020; 395(10225):709–33.
  2. Trocchi et al. Impact of the estimation equation for GFR on population-based prevalence estimates of kidney dysfunction. BMC Nephrology. 2017; 18:341.
  3. S3-Leitlinie Versorgung von Patienten mit chronischer nicht-dialysepflichtiger Nierenerkrankung in der Hausarztpraxis. AWMF-Register-Nr.: 053-048, Stand: Juni 2019. Online unter: www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-048l_S3_Versorgung-von-Patienten-mit-nicht-dialysepflichtiger-Niereninsuffizienz__2021-01.pdf (zuletzt zugegriffen am 12.10.2021)
  4. Webster AC et al. Chronic Kidney Disease. Lancet. 2017; 389(10075):1238-1252.
  5. Levin A et al. Kidney Disease: Improving Global outcomes CKD Work Group. KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int Suppl. 2013; 3(1):1-150.
  6. Eckardt K-U et al. Evolving importance of kidney disease: from subspecialty to global health burden. Lancet. 2013; 382(9887):158-169.
  7. Romagnani P et al. Chronic kidney disease. Nat Rev Dis Primers. 2017; 3:17088.
  8. National Kidney Foundation. Kidney disease: the basics. Factsheet. 2020. Online unter: kidney.org/news/newsroom/factsheets/KidneyDiseaseBasics (zuletzt zugegriffen am 12.10.2021).
  9. Alabama Department of Public Health. Special Task Force on Chronic Kidney Disease report. 2007. Online unter: www.alabamapublichealth.gov/publications/assets/kidneydiseasereport.pdf (zuletzt zugegriffen am 12.10.2021).
  10. Gesundheitsinformation.de. Chronische Nierenerkrankung. Online unter: www.gesundheitsinformation.de/chronische-nierenerkrankung.html (zuletzt zugegriffen am 12.10.2021)
  11. Briasoulis A, Bakris GL. Chronic Kidney Disease as a Coronary Artery Disease Risk Equivalent. Current Cardiology Reports 2013; 15(3):340.

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