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Die COPD (kurz für chronisch obstruktive Lungenerkrankung, engl. Chronic Obstructive Pulmonary Disease) ist eine häufig auftretende, chronisch verlaufende und nicht heilbare Erkrankung der Atemwege. Sie stellt sowohl unser Gesundheitssystem als auch Betroffene vor immense Herausforderungen. Allein in Deutschland gibt es rund 7 Millionen COPD-Patient:innen1 und täglich (!) sterben etwa 100 von ihnen.2 Trotz steigender Fallzahlen und einer hohen Krankheitslast ist die Erkrankung oftmals unterdiagnostiziert und untertherapiert – ein Zustand, der aus meiner Sicht nicht hinnehmbar ist. Die COPD muss endlich auf die politische Agenda und bedarf einer höheren Priorisierung.
Atemnot, Husten, Auswurf und ein chronischer Verlauf mit zunehmender Verschlimmerung der Symptome sind eine große Belastung für Betroffene.3,4 Eine Belastung, die nicht sein muss. Auch wenn die Erkrankung nicht heilbar ist, eröffnet der Fortschritt in Diagnose und Behandlung längst neue Perspektiven. Dennoch: Laut Schätzungen ist jede:r zweite COPD-Erkrankte nicht ärztlich diagnostiziert5 und folglich auch nicht behandelt. Mehr als die Hälfte der behandelten COPD-Patient:innen erhält in ihrem letzten Lebensjahr bis zum Tod keine Therapie nach Leitlinie.6 Hinzu kommt, dass COPD und Begleit- sowie Folgeerkrankungen einander wechselseitig verstärken können.3,7 So zeigte eine Kohortenstudie beispielsweise, dass über 50 % der COPD-Patient:innen an kardiovaskulären Begleiterkrankungen leiden;8 eine weitere ergab, dass bis zu 40 % der COPD-Patient:innen an kardiovaskulären Ereignissen versterben.9
Steigende Fallzahlen und eine unzulängliche Behandlung – eine Belastung für unser Gesundheitssystem
Allein von 2010 bis 2019 sind die Fallzahlen bei COPD um 8 Prozent gestiegen10 – und damit auch die Belastungen für das Gesundheitssystem. Unter anderem kann es bei COPD zu akuten Verschlechterungsschüben, sogenannte Exazerbationen, kommen. Diese müssen häufig stationär im Krankenhaus therapiert werden. Durch eine verbesserte ambulante Versorgung wären viele Krankenhauseinweisungen vermeidbar.11,12 Noch höher als die direkten Kosten für Gesundheitsleistungen wiegen bei der COPD allerdings die indirekten Kosten, die durch Produktivitätsausfälle entstehen.13,14 Sie liegen je nach Schweregrad bei 11.800 Euro bis zu 19.400 Euro pro Jahr.14 Der weitaus größte Kostenanteil entfällt dabei auf Frühberentungen, gefolgt von Kosten aufgrund von krankheitsbedingten Fehltagen am Arbeitsplatz.14 So müssen 40 % der COPD-Betroffenen ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Arbeit sogar gänzlich aufgeben.15,16
COPD benötigt mehr Aufmerksamkeit
Ein besserer Ausblick für COPD Patient:innen ist möglich. Es gibt viele engagierte Behandler und auch wirksame Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit COPD. Sie müssen jedoch zum Einsatz kommen – und das idealerweise so früh wie möglich. Aus meiner Sicht kann die Politik hier Weichen stellen, um eine bessere Versorgung zu unterstützen.
Andere nichtübertragbare Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE), Krebs oder Demenz stehen bereits auf der Agenda der Gesundheitspolitik. Auch das neue Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM), das zum 1. Januar 2025 seine Arbeit offiziell aufnehmen soll, setzt sich für eine bessere Prävention von Volkskrankheiten ein und nennt dabei u. a. explizit HKE und Krebs. Chronische Lungenerkrankungen wie COPD oder auch Asthma finden trotz hoher Prävalenz bisher jedoch keine ausreichende politische Beachtung.
Dabei zeigen derartige Maßnahmen Wirksamkeit wie beispielsweise die „Nationale Dekade gegen Krebs“ belegt. Die Initiative – ausgerufen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Gesundheit – hat bisher zu einem besseren Ausbau und einer besseren Vernetzung von Forschung geführt und ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung nationaler/gesundheitspolitischer Strategien.17
Bei COPD ist es besonders wichtig, mehr und frühzeitigere Diagnosen zu fördern. Gleichzeitig gilt es, die ambulante Versorgung durch leitliniengerechte Therapien zu verbessern. So könnte die Mortalität reduziert und Betroffenen mehr Lebensqualität geschenkt werden. Dafür braucht Deutschland meiner Meinung nach eine übergeordnete „Nationale Strategie für chronische Lungenerkrankungen”.
Die Zeit zum Handeln ist jetzt!
Das Gute ist, dass bereits jetzt viele geplante oder sich in Umsetzung befindende Maßnahmen erweitert werden könnten, um COPD sinnvoll zu integrieren. So könnte ein COPD-Check-up in das geplante Lungenkrebsscreening aufgenommen werden. Ebenso ist im Zuge des Check-up 50 die Erweiterung um einen Lungencheck denkbar. Auch die Stärkung der leitliniengerechten Versorgung durch Disease-Management-Programme und die Definition klarer Versorgungsziele sollte in den Fokus rücken.
Pharmaunternehmen können und sollten eine wichtige, begleitende Rolle spielen. Gemeinsam mit Partner:innen können wir unsere Position nutzen und das Bewusstsein von Öffentlichkeit und Politik für diese Erkrankung schärfen. Daher kooperiert AstraZeneca Deutschland u. a. mit dem Expert:innenzusammenschluss „Jahrzehnt der Lunge“. Ziel dieser Initiative ist es, die Politik und andere Träger:innen des Gesundheitssystems bei der Ausgestaltung von nachhaltigen und systematischen Maßnahmen im Bereich der chronischen Lungenerkrankungen wie COPD zu unterstützen.
Ich bin überzeugt: Jetzt ist es an der Zeit zu handeln! Wir haben die Möglichkeiten dazu. Mit den richtigen politischen Prioritäten und einer nationalen Strategie können wir die Versorgung von Menschen mit COPD verbessern und ihre Lebensqualität erhöhen und gleichzeitig direkte und indirekte Kosten der Erkrankung reduzieren. Es ist an der Zeit, dass wir der Volkskrankheit COPD und Millionen Betroffenen endlich die Aufmerksamkeit schenken, die nötig ist.
Referenzen
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- OECD/European Observatory on Health Systems and Policies (2021), State of Health in the EU. Deutschland: Länderprofil Gesundheit 2021. Online verfügbar unter https://health.ec.europa.eu/system/files/2021-12/2021_chp_de_german.pdf. Zuletzt abgerufen am 30.09.2024.
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease. GOLD Report 2024. Online verfügbar unter: https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2023/11/GOLD-2024_v1.0-30Oct23_WMV.pdf (Letzter Abruf: 21.06.2024).
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