Die derzeitige Situation ist für alle völlig neu und an jeder Stelle eine besondere Herausforderung. Die aktuellen Prioritäten sind klar: Zzum Schutze der Gesundheit muss die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. Gleichzeitig sind alle darum bemüht, das tägliche Business aufrecht zu erhalten und vor allem, für die Zeit nach der Krise schlagkräftig aufgestellt zu sein.
Bei AstraZeneca gilt es aktuell, einige neue Stellen zu besetzen. Unter normalen Umständen führt das HR-Team dutzende Interviews pro Woche, um passende Kandidaten zu finden. Dabei gilt: eine/n Bewerber:in, der/die nicht persönlich kennengelernt wurde, wird nicht eingestellt. Seit Anfang März geht das in dieser Form allerdings nicht mehr, denn auch AstraZeneca verzichten unternehmensweit auf persönliche Meetings und hat dort, wo es geht, auf Remote Work umgestellt.
Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Situation weiß AstraZeneca jedoch, dass der Bedarf nach neuen qualifizierten Mitarbeitenden weiterhin bestehen bleibt. Kurz gesagt: Würde das Recruitment ausgesetzt werden, würden es in drei bis sechs Monaten massiv an Mitarbeiter:innen fehlen.
In Zeiten von Zoom, Skype und anderen digitalen Konferenztools ist das alles kein Problem, so die gängige Meinung. Im Sinne einer konsistenten „Candidate Experience“ und der Überzeugung, dass man sich einmal real gegenübergestanden haben muss, bedarf es jetzt aber neuer Wege.
Fünf Beispiele, wie AstraZeneca aktuell recruited, und was daraus für die Zukunft gelernt werden kann.
1 Digitale Konferenz: Persönlicher waren Meetings noch nie
Ein Skype Call zum Erstgespräch war auch bei AstraZeneca bisher gang und gäbe. Typisches Szenario: Der/die Kandidat:in sitzt zu Hause vor möglichst neutraler Kulisse und die HR-Mitarbeiter:innen im Corporate Umfeld eines Konferenzraums. Eine zugegeben etwas unfaire Situation, die es jetzt nicht mehr gibt. Denn ab sofort sind die HR-Mitarbeiter:innen mit den Bewerber:innen auf Augenhöhe, ebenfalls im privaten Umfeld, manchmal sogar mit Kindern oder Partner:innen, die unfreiwillig zu Statist:innen werden. Unprofessionell hätte man früher gesagt. Sehr persönlich sagt man heute. Dank dieser neuen Umgebung(en) hat AstraZeneca in den vergangenen Wochen die bislang persönlichsten Gespräche geführt und Bewerber:innen so nah kennengelernt, wie es in der neutralen Businessumgebung nicht ohne weiteres möglich ist. Die Lehre: Wenn man eine Person kennenlernen möchte, geht das am besten, wenn man auch selber die Tür zu sich öffnet. Und das geht leichter aus dem eigenen Wohnzimmer, als aus dem großen Konfi. Positiver Nebeneffekt: Auch die Beziehung zu den eigenen Kolleg:innen hat durch diese kleinen Einblicke ins Private eine neue Nähe erfahren.
2 Mehr Augen, mehr Eindrücke
Aus vielen Jahren Berufserfahrung und gefühlten hunderten Kandidat:innen-Interviews hat AstraZeneca ein recht klares Bild des Kandidaten / der Kandidatin gewonnen. Neben formellen Anforderungen und inhaltlicher/rhetorischer Beurteilung zieht man ich eine große Sicherheit aus der persönlichen Nähe im Gespräch. Im digitalen Recruitment kann man auf dieses Gefühl aber nur bedingt vertrauen. Man benötige also neue/andere Eindrücke um zu einer abschließenden Beurteilung zu kommen. So werden mehrere Kolleg:innen beim Recruiting eingesetzt. Und zwar nicht gleichzeitig, sondern unmittelbar im Anschluss. Für den Bewerber / die Bewerberin mag das etwas ungewöhnlich sein, weil er quasi das Gespräch doppelt führt. Aber eine zweite oder dritte, unabhängige Einschätzung und ein Gespräch, das nicht nur durch eine Person gelenkt wird, kann hier weitere wertvolle Erkenntnisse liefern.
3 Der Wald ruft – oder frische Luft sorgt für frische Erkenntnisse
Nicht nur AstraZeneca ist ein persönlicher Eindruck wichtig, auch die Bewerber:innen haben ein berechtigtes Interesse, ihre neuen Vorgesetzten oder Kolleg:innen persönlich kennenzulernen. Da interne Räume aktuell schwer für Externe zugänglich sind, hat AstraZeneca diese Gespräche unter Berücksichtigung der Distanzregeln kurzerhand auf andere Umgebungen verlegt, zum Beispiel einen gemeinsamen Spaziergang an der Elbe oder um die Binnenalster. Glücklicherweise ist bei AstraZeneca in Wedel viel Naherholungsfläche mit wenig Publikumsverkehr zu finden. Auch hier gilt ähnlich wie bei der Videokonferenz aus dem Homeoffice: Es entsteht eine neue Nähe. Und für die Bewerber:innen eine neue Komponente der „Candidate Experience“.
4 Vertrauen schaffen – für die Zukunft
Nicht jeder Bewerber / jede Bewerberin stammt aus der unmittelbaren Umgebung und ist bereit, oder aktuell in der Lage, für einen Waldspaziergang nach Hamburg bzw. Wedel zu kommen. Wenn es AstraZeneca oder dem Bewerber nach einem positiven digitalen Gespräch dennoch wichtig erscheint, sich einmal persönlich zu sehen, bleibt manchmal nichts anderes, als den letzten Schritt zu vertagen. Allerdings nicht mit dem Satz „Wir melden uns wieder“, sondern mit einer neuen vertrauensvollen Verbindlichkeit, die fast etwas von einer Verlobung hat. Bedeutet: Bei gegenseitigem ernsthaftem Interesse bleiben AstraZeneca digital verbunden und sorgt über regelmäßige Updates dafür, dass eine ständige vertrauensvolle Verbindung erhalten bleibt. So dass der finale Schritt nach Veränderung der Lage schnell vollzogen werden kann.
5 Das Rad nach vorne drehen
Der letzte Punkt ist eine Veränderung des eigenen Mindsets. Die Erfahrungen, zeigen, dass der Umgang mit der Krise auch eine Veränderung des Mindsets voraussetzt. Man kann schlichtweg die Dinge nicht mehr so machen wie man sie immer gemacht hat – auch wenn sie erfolgreich und richtig waren. Und bei Dingen, die man sowieso verändern wollten, hat man jetzt einfach ein wenig das Tempo erhöht. Man kommt am besten aus der Krise, wenn man das Rad nach vorne dreht.