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Wenn wir in Deutschland über Innovation in der Medizin sprechen, sprechen wir aktuell vor allem über Kosten und die Frage, wie viel Medizin wir uns noch leisten können.
Gleichzeitig erleben wir eine besonders spannende Zeit in der Krebsmedizin. Unser Verständnis der Tumorbiologie wächst rasant. Neue Technologien, präzisere Diagnostik, zielgerichtete Therapien und der Einsatz von KI eröffnen Möglichkeiten zur Behandlung von Patient:innen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren.
In einer Phase also, in welcher der medizinische Fortschritt seine größten Erfolge und Durchbrüche erzielt, gerät der Forschungsstandort Deutschland durch politische Entscheidungen immer mehr unter Druck. Denn die Vorrausetzungen und Rahmenbedingungen für die klinische Forschung in der Onkologie werden etwa durch neue Belastungen – wie die im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) auf insgesamt 15,5 Prozent angehobenen Rabatte auf innovative Medikamente – deutlich verschlechtert.
Gebraucht wird ein politisches Signal für Innovationen und klinische Forschung. Ganz konkret geht es jetzt z.B. um die Ausgestaltung der sogenannten Standortklausel. Diese soll forschende Pharmaunternehmen von der Anhebung des allgemeinen Herstellerabschlags befreien, wenn mindestens 5 Prozent der Prüfungsteilnehmenden in den Zulassungsstudien eines Wirkstoffs an deutschen Prüfstellen behandelt wurden.
Um die positive Wirkung entfalten zu können, sind dabei u.a. folgende Punkte wichtig:
- Transparente pragmatische Kriterien und minimaler Zusatzaufwand: Wenn der Nachweis einem zweiten Zulassungsdossier gleicht, wird aus einer smarten Idee eine weitere bürokratische Hürde mit entsprechend abschreckender Wirkung.
- Eindeutige Studienselektion: Es bedarf einer klaren und sachgerechten Abgrenzung der berücksichtigungsfähigen klinischen Prüfungen.
- Geschwindigkeit: Angesichts des Inkrafttretens am 1. Januar 2027, müssen die genauen Parameter der Berechnung und die Antragsformulare bis Ende September verfügbar sein.
- Planungssicherheit: Globale Entwicklungsprogramme werden 5-10 Jahre im Voraus geplant. Damit die neue Ausnahmeregelung tatsächliche Investitionsentscheidungen beeinflusst, braucht es absolute Planungssicherheit, um langfristige Entscheidungen für Investitionen in den Forschungsstandort Deutschland treffen zu können.
Die Verfügbarkeit von Innovationen ist nicht selbstverständlich. Klinische Forschung benötigt klare Rahmenbedingungen, Vertrauen, Stabilität und letztendlich auch ein Klima, das Forschung fördert und wertschätzt. Denn was bedeutet es, wenn weniger klinische Forschung in Deutschland stattfindet?
Klinische Studien haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Versorgung nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen. Sie ermöglichen eine frühe Verfügbarkeit von neuen Therapieoptionen und damit die Chance für Patient:innen, schneller von diesen zu profitieren. Gerade in der Onkologie und Hämatologie zählt die Zeit: Studien eröffnen Patient:innen den frühestmöglichen Zugang zu innovativen Behandlungsmöglichkeiten, was in diesen Indikationen von besonderer Bedeutung ist. Vereinfacht lässt sich also sagen: Wo Forschung stattfindet, ist auch die Verfügbarkeit und Versorgung besser.
Ein weiterer Pluspunkt: Als eine Säule der Therapielandschaft werden klinische Studien durch die pharmazeutischen Hersteller finanziert.
Auch darüber hinaus hat klinische Forschung einen Effekt für den Standort Deutschland. Sie schafft:
- Attraktive Arbeitsplätze in Studienzentren- und Arztpraxen sowie für internationale Wissenschaftler:innen
- Einen Know-how Vorsprung für den Standort Deutschland und damit Grundlagen für weiteren Fortschritt.
- Gesundheitssouveränität durch weniger Abhängigkeit von forschungsintensiven Nationen wie China und den USA.
- Internationale Investitionen aus der Pharmaindustrie mit entsprechenden Effekten für die Gesamtwirtschaft.
Andere Länder haben den Wert von medizinischer Innovation längst als wichtiges strategisches Gut für Wirtschaft, Standort und Versorgung erkannt und medizinische Forschung politisch priorisiert. Lassen Sie uns gemeinsam mit Ärzt:innen, Patient:innen, Wissenschaft und Ökonomie den Wert klinischer Studien sichtbarer machen und verhindern, dass Deutschland langfristig den Anschluss an die Medizin von morgen verliert.