Heute ist der internationale Tag der klinischen Studien: Aufmerksamkeit allein reicht nicht aus – jetzt heißt es dranbleiben

AUTORIN

Dr. Doris Henn

Am 20. Mai rücken wir weltweit die klinischen Studien ins Licht. Zu Recht – denn klinische Studien sind das Rückgrat des medizinischen Fortschritts. Laut einer aktuellen Umfrage, dem KliFo-Barometer 20251 in dem über 250 Ärzt:innen zum Thema „Klinische Forschung“ befragt wurden, halten 98 Prozent der befragten Ärzt:innen klinische Studien für essenziell. Ihre Bedeutung für neue Behandlungsmöglichkeiten und die Verbesserung der Patient:innenversorgung ist unumstritten.  

Doch ein Tag der Anerkennung allein reicht nicht. Die Realität ist: Deutschland hat im Bereich klinischer Forschung im europäischen Vergleich an Boden verloren. Mit nur rund 30 laufenden Studien pro einer Million Einwohner lag Deutschland 2021 deutlich hinter Ländern wie Dänemark (ca. 190 Studien) oder Belgien (ca. 150).2 Laut KliFo Barometer1 kämpfen Ärzt:innen mit Zeitmangel (86 % Zustimmung), bürokratische Hürden (46 % Zustimmung) und zeitaufwendiger Datenerfassung- und verwaltung (70 % Zustimmung). Dieser Rückgang birgt Risken für den Innovations- und Gesundheitsstandort Deutschland, denn Investitionen in klinische Forschung sind eine Investition in die Gesellschaft: für Ärzt:innen, die sich frühzeitig mit neuen Medikamenten vertraut machen können, für die Wirtschaft, da sie Arbeitsplätze schaffen und Innovationen fördern, und für Patient:innen, da sie frühzeitig neue Therapieoptionen zur Verfügung gestellt bekommen.  

Was müssen wir tun, um wieder besser zu werden? 

Wenn wir wollen, dass neue Therapien auch morgen noch frühzeitig ihren Weg zu Patient:innen finden, müssen wir jetzt dranbleiben und handeln. Denn was uns momentan daran hindert, wieder an die Forschungsspitze zu gelangen, ist schlicht eine unzureichende Infrastruktur. Unsere bürokratischen Prozesse sind zu kompliziert und langsam, und Forschung findet oft zusätzlich zum Klinikalltag statt. Ein Lösungsansatz könnte der Ausbau von nicht-ärztlichem Personal in Klinik und Praxis sein, etwa Study Nurses oder Studienkoordinator:innen. Dieses Konzept unterstützen 94 % der befragten Ärzt:innen im KliFo-Barometer.1 Auch ich sehe hier enormes Potential! Study Nurses sind die entscheidende Schnittstelle zwischen Forschung, Sponsor, Verwaltung und Ärzteschaft. Ob eine Studie läuft, hängt wesentlich von diesen Menschen ab. Deshalb brauchen wir hier Investitionen, aber auch eine Standardisierung der Ausbildung der Study Nurses/Studienkoordinator:innen.  

Zudem muss nun von der Politik dafür gesorgt werden, dass das Medzinforschungsgesetz3 in der Praxis umgesetzt wird. Ganz konkret: Bürokratie abbauen, Harmonisierung vorantreiben, um Tempo bei der Umsetzung von Studien aufzunehmen. Denn es braucht in Deutschland insgesamt mehr Studienzentren und Kliniken, die bereit sind, Studien durchzuführen und dazu braucht es in der Folge auch mehr unterstützendes Personal. Ein „Mehr“ bedeutet auch einen gesellschaftlichen Wandel und eine Kultur, in der der Einsatz für wissenschaftlichen Fortschritt und Innovation belohnt und frühzeitig gefördert wird. Hier unterstütze ich die Idee, dass klinische Forschung bereits in die Mediziner:innen-Ausbildung integriert werden sollte. Besonders jüngere Ärzt:innen und Berufsanfänger:innen fordern hier laut KliFo-Barometer eine stärkere Verankerung des Themas ins Studium; eine Haltung, über die ich mich freue.

Europas größtes Forschungsgebiet? Deutschland. Auf dem Weg zum Weltmeister der Klinischen Forschung.  

Wir bei AstraZeneca wollen Deutschland zum wichtigsten Standort der klinischen Forschung für AstraZeneca in Europa machen und sind bereit, unsere Studienaktivitäten und somit unseren Beitrag in den nächsten Jahren mindestens zu verdoppeln, wenn es eine belastbare Infrastruktur gibt. Bereits heute haben wir aus eigenem Engagement ein Team, die „Development Taskforce“ gegründet, welches sich nur darum kümmert, Zentren zu identifizieren, die Studien durchführen könnten, um sie dann auf dem Weg zum Prüfzentrum und darüber hinaus zu unterstützen. Des Weiteren haben wir ein einzigartiges Schulungs- und Austauschprogramm „OncoCoord“ entwickelt, um Studienkoordinator:innen und Study Nurses tiefgehendes medizinisches und regulatorisches Wissen zu vermitteln und den Austausch untereinander zu fördern.  

Der Tag der Klinischen Studien ist ein guter Anlass, das Thema ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Wenn wir jetzt gemeinsam mit allen Akteur:innen an einem Strang ziehen, wird es uns gelingen, Deutschland wieder an die Weltspitze der medizinischen Forschung zu bringen und in der Folge auch die Versorgung der Patient:innen langfristig zu sichern und innovative Behandlungsansätze zu den Patient:innen bringen. 

Weitere Infos zum KliFo-Barometer 2025 von AstraZeneca in Deutschland gibt es hier: https://www.astrazeneca.de/medien/press-releases/2025/klifo-barometer-2025.html 


Referenzen

  1. AstraZeneca. KliFo-Barometer 2025. Data on file.
  2. Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), A.T. Kearney GmbH. Pharma-Innovationsstandort Deutschland. Zugriff am 19.02.2025
  3. Medizinforschungsgesetz (MFG) | BMG. Zugriff am 19.02.2025

DE-82825-05/25