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Klinische Studien gelten im ambulanten Bereich noch immer als Ausnahmeerscheinung. Viele niedergelassene Ärzt:innen verbinden sie mit zusätzlicher Bürokratie, komplexer Regulatorik und einem organisatorischen Aufwand, der sich kaum mit einem ausgelasteten Praxisbetrieb vereinbaren lässt. Genau deshalb ist es bemerkenswert, wenn Praxen diesen Weg trotzdem gehen, und dabei zeigen, dass Forschung und Versorgung keine Gegensätze sein müssen.
Aber wie genau lassen sich klinische Studien in den Praxisalltag integrieren? Welche Chancen und Hürden gibt es, wenn ich mich als niedergelassene Ärzt:in für die Durchführung klinischer Studien entscheide? Und welche Unterstützung bekommt man bei klinischen Studien durch die Pharmaindustrie?
Um einen Erfahrungsbericht aus einer niedergelassenen Praxis zu erhalten, habe ich mich mit der Pneumologin Dr. Tanja Knolinski getroffen. Sie nimmt mit ihrer Praxis im Hamburger Stadtteil Niendorf bereits seit einigen Jahren an der Durchführung klinischer Studien teil und hat sich für uns bei AstraZeneca als Praxispartnerin fest etabliert.
Im Gespräch wurde deutlich, dass sich hinter den Vorurteilen gegenüber klinischen Studien oft weniger reale Hürden als vielmehr fehlende Erfahrung verbergen. Natürlich bedeute die Integration klinischer Studien zunächst Veränderung im eng getakteten Praxisalltag: „Klinische Studien erfordern neue Praxisabläufe, die aber klar definiert sind“, erklärte mir Dr. Knolinski. „Viele Prozesse in Studien wirken zwar anfangs aufwendig, durch die genauen Strukturen und Vorgaben können die Abläufe aber schnell zur Gewohnheit werden und die Teams können damit ihre organisatorischen Fähigkeiten professionalisieren und sogar Prozesse schärfen und Kompetenzen erweitern.“
Besonders wichtig sei dabei unsere Rolle als Pharmaunternehmen: „Die Sponsoren der klinischen Studie helfen über ein engmaschiges Monitoring und telefonischen Support dabei, dass man viele Dinge, die am Anfang wie eine Hürde erscheinen, dann doch recht schnell erlernt und es zur Routine wird“, so Dr. Knolinski.
Warum aber sollte man als niedergelassene Arztpraxis überhaupt an klinischen Studien teilnehmen? Für Fachärztin Dr. Knolinski gib es drei zentrale Aspekte:
- Die Patient:innen wissen es sehr zu schätzen, wenn ihnen eine Facharztpraxis die Möglichkeit gibt, an einer klinischen Studie teilzunehmen. „Zum einen kommt ihnen diese wissenschaftliche Forschung zugute, zum anderen erhalten sie im Rahmen der Studie eine viel intensivere Betreuung“.
- Klinische Studien bieten für niedergelassene Ärzt:innen die Chance, jenseits reiner Versorgungsleistungen auch eine eigene Forschungsleistung zu erbringen und damit als Praxis direkt den medizinischen Fortschritt voranzubringen. „Was ich als wissenschaftliche Ausbildung erfahren habe, kann ich auf diesem Wege der Gesellschaft wieder zurückgeben“.
- Klinische Forschung macht den Arbeitsplatz für das Team attraktiver und eröffnet Entwicklungsperspektiven, da sich Kompetenzen und Jobprofile erweitern. „Ich kann von unserem Team nur sagen, dass auch die, die am Anfang kritisch waren und nachdenklich, sich mittlerweile immer mehr daran freuen und mitmachen“.
In Zeiten von Fachkräftemangel und wachsendem Druck im Gesundheitswesen könnte genau der dritte Punkt aus meiner Sicht zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil werden. Praxen, die Forschung integrieren, positionieren sich nicht nur medizinisch innovativ, sie schaffen häufig auch attraktivere Arbeitsumfelder.
Denn auch das wurde im Gespräch deutlich: Studien in niedergelassenen Praxen schaffen Nähe. Sie ermöglichen Menschen außerhalb universitärer Zentren Zugang zu innovativen Therapien und intensiver Betreuung.
Und genau darin liegt möglicherweise die wichtigste Botschaft aus dem Gespräch mit Dr. Knolinski: Klinische Studien sind Ausdruck einer Medizin, die Versorgung und Forschung nicht trennt, sondern zusammendenkt.